Vorwort:

Die folgende Kurzgeschichte entstand im Rahmen des VHS Kurses “kreatives Schreiben” und wurde inspiriert durch den fabelhaften Podcast Die Sprechkabine. Viel Spaß.

Die Geschichte:

Goldie der Goldhamster erwachte mit einem sanften Lächeln auf seinem spitznäsigen, pausbäckigen Gesicht. Das Fell war von der Nacht noch ganz durcheinander. Da machte es auch nichts, wenn er gleich noch ein paar Runden auf dem Laufrad zurücklegte, um die restliche Müdigkeit abzuschütteln. Es war ein tolles Rad. Aus Holz, in einem kräftigen Rot gestrichen und feinen Balken, so dass man durchsehen konnte, während sich das Rad immer schneller und schneller drehte. Ein herrliches Gefühl, sich in den verschwommenen, vorbeisausenden Bewegungen zu verlieren.

Nach dem Training gab es erst einmal etwas zu trinken und so nuckelte Goldie der Goldhamster an dem metallenen Stutzen, der kaltes, frisches Wasser spendete. Was für ein toller Start in diesen besonderen Tag. Denn es war kein Tag wie jeder andere. Goldie der Goldhamster war auserwählt worden Glück und Freude über die Menschen zu bringen. Es waren auch andere ausgewählt worden, denn die Welt war so groß und Goldie so furchtbar klein. Doch gemeinsam konnten sie die Aufgabe schaffen. Während sich Goldie Gedanken über seine bevorstehende Aufgabe machte, kam auch schon der Mensch vorbei, der ihn vorbereiten und zur Rampe bringen sollte.

„Guten Morgen, Goldie“, sagte der Mensch mit einer sanften Stimme. „Bist du bereit für deinen großen Tag?“

Aufgeregt begann Goldie der Goldhamster zu fiepen und mit einem der hinteren Beine zu schaben. Der Mensch nahm Goldie den Goldhamster aus seinem üppigen Käfig. Während er das kleine Tierchen in der Hand hielt streichelte er über dessen weißen flauschigen Bauch. Da zuckten und strampelten die Hinterpfoten wie wild. Was für ein herrliches Gefühl.
Nun war es an der Zeit sich fertig zu machen. So begann der Mensch Goldie seinen Anzug anzuziehen.

„Es wird Zeit für deinen nassen Anzug, Goldie. Wir wollen ja schließlich nicht, dass du frierst.“

Ein großes Lächeln stand auf dem Gesicht des Menschen. Das verstand Goldie der Goldhamster nicht. Warum denn ein nasser Anzug? Die Uniform war doch ganz trocken und bedeckte seinen gesamten, winzigen Körper. Und er glänzte so hübsch silbern. Ein blaues Symbol war auch darauf zu sehen. Das bedeutete, das Goldie der Goldhamster wichtig war. Nicht jeder bekam so eine Uniform mit dem Symbol. Das war nur für die besonderen Goldhamster. Hübsch eingepackt, machten sich die beiden auf den Weg zur Rampe. Goldie der Goldhamster durfte dabei die ganze Zeit auf der Hand des Menschen sitzen. Sie gingen durch lange Gänge, sahen andere Menschen und gelangten schließlich zu einer großen schweren Tür. Von draußen konnte man bereits die Menge toben hören.

Hinter Goldie dem Goldhamster und seinem Menschen stellten sich nun auch die anderen Goldhamster mit ihren Begleitern auf. Goldie der Goldhamster konnte es kaum erwarten bis es losging. Sein kleiner Körper zitterte vor Aufregung. Da begann Musik zu spielen. Viele Instrumente erklangen und es war eine schöne Musik. Das Tor öffnete sich und sie gingen los.

Ein langer roter Teppich begrüßte sie und viele Menschen waren gekommen, um sich zu verabschieden. Es war laut und die Menschen klatschten und jubelten. Langsam gingen die Goldhamster und ihre Menschen zwischen der Menge entlang. Goldie der Goldhamster fürchtete sich zwar, es war viel zu viel Lärm für seine kleinen spitzen Ohren, aber das gehörte nun einmal dazu. An der Rampe angekommen winkten die Menschen der Menge noch einmal zu. Die Goldhamster fiepen aufgeregt, doch niemand konnte sie bei dem Lärm hören.

Schließlich stiegen sie alle in einen Lift ein und fuhren nach oben. Dort angekommen gingen sie über einen kurzen Steg und stiegen durch eine kleine Luke in das große, mächtige Gefährt. Leider kannte Goldie der Goldhamster nicht den richtigen Namen, aber das machte nichts. Die Menschen setzten die Goldhamster ab und sicherten sie mit winzigen Gurten. Dann setzten sie sich ebenfalls und bereiteten alles vor. Sie alle schauten jetzt nach oben. Es war ein klarer, blauer Himmel zu sehen.

Plötzlich zischte es. Dann donnerte es. Dann rüttelte und schüttelte sich scheinbar die ganze Welt. Goldie der Goldhamster wurde in seinen Sitz gepresst. Es tobte und plärrte. Er verhielt sich mucksmäuschen still. Der blaue Himmel wurde immer dunkler bis schließlich Sterne zu sehen waren. Es wurde ganz still. Das rütteln und schütteln hörte auf und alles schien sich zu entspannen.

Während die Menschen ihre Arbeit verrichteten, schliefen die Goldhamster ein. So eine lange Reise war anstrengend für die kleinen Nager. Sie hatten es sich verdient, sich auszuruhen.

Goldie der Goldhamster knabberte gerade genüsslich an einer halben Walnuss. Wie herrlich das schmeckte. Da wurde er plötzlich sanft geschüttelt. Er sah seinen Menschen vor sich. „Bist du bereit, Goldie?“ Es war leider nur ein Traum gewesen. Etwas bedrückt nickte Goldie. Aber er freute sich auch, denn nun ging es los.

Goldie der Goldhamster bekam seinen kleinen Helm aufgesetzt und schwebte nun langsam mit dem Menschen zu einer anderen, größeren Luke. Die Menschen hatten große, dicke Uniformen an, und hielten ihre Goldhamster in der Hand. Wieder zischte es, dann gleitete die Luke zur Seite. Vor ihnen lag die Erde. Was für ein wundervoller Anblick.

Nacheinander schwebten sie alle hinaus und die Menschen hielten sich an einer Stange an der Seite des Gefährtes fest. Jeder hatte seinen Goldhamster in der Hand. Sie sagten etwas zueinander, aber Goldie konnte sie leider nicht hören. Es war ganz still. Der Mensch nickte Goldie mit einem breiten Lächeln zu. Das war das Zeichen. Goldie der Goldhamster fiepe. Ein ernster Blick erschien auf dem sanften Gesichten. Er war bereit.

Der Mensch hob Goldie an und warf den Goldhamster in Richtung Erde.

Immer näher kam der blaue Planet. Die Sonne war auf der anderen Seite fast verschwunden. Es war still und ruhig. Goldie der Goldhamster hörte nur seinen eigenen Atem. Er flog immer weiter und weiter. Die anderen Goldhamster konnte er leider nicht sehen. Er wollte sich umdrehen, doch all sein strampeln und zappeln half nichts.

Irgendetwas stimmte nicht.

Er wollte zurück, doch er konnte nichts machen.

Unaufhaltsam kam die Erde näher und näher, immer schneller und schneller. Und es wurde auch wärmer. Plötzlich erschien etwas vor Goldies Helm. Waren das Flammen? Sie züngelten an Goldies Helm und seiner Uniform. Es wurde heiß. Jetzt hatte Goldie der Goldhamster wirklich Angst. Panik machte sich breit. Die Flammen züngelten weiter. Seine Uniform löste sich langsam auf. Er konnte Wind und Hitze spüren. Goldie fiepte und fiepte, doch er konnte sich nicht einmal selbst hören. Immer tiefer stürzte er, direkt auf die Erde zu, seinem Ziel entgegen. Als die Katastrophe unausweichlich schien, hatten sich die Flammen Goldies kleinen Körper einverleibt. Es wurde schwarz vor seinen Augen. Und so verglühte Goldie der Goldhamster.

Zurück auf der Erde zog ein kleines Mädchen, in einem rosafarbenen Kleidchen, an der Jacke ihrer Mutter. „Schau Mami, die Schernschuppen sind wieder da!“

„Ja, Lili“, antwortete die Mutter „und jedes Jahr scheinen sie hübscher zu glühen.“

Featured Image von Ricky Kharawala on Unsplash