Was hat Komparatistik mit Intertextualität am Hut?

Was hat Komparatistik mit Intertextualität am Hut?

Genau das habe ich mich gefragt, als ich den Text von Evi Zemanek im Buch Komparatistik von Alexander Nebrig und, Überraschung, Evi Zemanek entdeckt habe. Dieser Text ist auch meine Primärquelle für die hier bereit gestellten Informationen und lässt mich mit vielen Fragen zurück. Der Text hat sich also eher in ein Review verwandelt, doch versuche ich auch zu zeigen, was sich hinter dieser literaturwissenschaftliche Richtung verbirgt.

Wie der Name vermuten lässt, hat Komparatistik etwas mit Vergleichen zu tun. Jedoch weniger im Sinne von Ausgleich oder Gleichheit, sondern meint eine „nebeneinanderstellung, aus welcher ähnlichkeiten erkannt werden können“ (Grimm 1956, Sp. 448). Dabei gibt es zwei primäre Richtungen:

  • einen äquivalenten Vergleich, bei dem es um die Feststellung von Gemeinsamkeiten geht und
  • einen kontrastiven Vergleich, der Unterschiede feststellen soll

Schön und gut, doch wenn man sich so die ersten Absätze des Textes durchliest, kommt man nicht umhin zu denken, dass Komparatistik sich sehr mit Intertextualität überschneidet und es sich lediglich um Synonyme handelt, die dasselbe Fachgebiet beschreiben wollen. Immerhin widmet sich die Komparatistik ebenfalls den Thematiken und Motiven von Texten (wie wir zuvor auch schon bei der Intertextualität festgestellt haben). Besonders wenn Zemanek schreibt später schreibt, dass Texte

“nicht nur übersetzt und nachgeahmt, parodiert und illustriert, sondern zudem in Theaterstücken rezitiert, vertont und verfilmt, in Ballett und modernen Tanz transformiert, ja als multimediale Performances inszeniert […] (werden). Derartigen Transformationen von Texten in andere Medien widmet sich die Medienkomparatistik” (Zemanek, S.11)

Allerdings scheint es die Komparatistik dann doch etwas genauer zu nehmen, da sie sich sich außerdem mit der formalen Gestaltungsweise und der Entstehungsgeschichte von Texten befasst, welche wir in der Intertextualität so nicht haben. Zwar mag es dort interessant sein, wann ein Text entstanden ist, damit man die gesellschaftlichen Vorgänge nachvollziehen und entsprechend Thematiken in Texten identifizieren kann, doch formale Gestaltungsweisen scheinen für uns intertextuell Interessierte in den Hintergrund zu geraten. Da scheint es dann auch angemessen, die Intertextualität als ein “zentrale(s) Arbeitsgebiet” zu identifizieren, welches zum Ziel hat, “historische und systematische Zusammenhänge aufzudecken.” (Zemanek, S. 10)

Wer nun aufgepasst hat, hat nun verstanden, dass Medienkomparatistik und Intertextualität zwar nahe beieinander liegen mögen, da sich beide als medienübergreifende Disziplinen verstehen, die klassische Komparatistikin sich jedoch hauptsächlich auf dem Feld der Literatur bewegt und sich damit dem gedruckten (heutzutage auf ePaper dargestelltem) Text am nächsten fühlt und diesem ihr Leben widmet. Diese Nähe folgt nun zwei Richtungen der Literaturwissenschaft, nämlich der allgemeinen und der vergleichenden, welche schließlich in der AVL kulminieren.

Zemanek beschreibt das Zusammenspiel dieser beiden Richtungen wenig verständlich mit dem überbordenden Satz (und ja, mir ist bewusst, dass ich fröhlich mit Steinen um mich werfend im Glashaus sitze):

“Die Allgemeine Literaturwissenschaft zieht Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen vergleichender Analysen; so befördert die Vergleichende Literaturwissenschaft die allgemeine Theoriebildung, während sie zugleich von ihr profitiert, indem sie sich auf allgemeintheoretische Prämissen beruft.” (S. 13)

Die allgemeine Literaturwissenschaft legt, soweit ich das aus dem Text herauslese, die Grundlagen für ein wissenschaftstheoretisches und methodisches Vorgehen, beschäftigt sich mit literaturtheoretischen Problemen und “theoretischen Aspekten literarischer Produktion und Rezeption”. Die vergleichende Literaturwissenschaft dagegen, vergleicht, wenig überraschend, Epochen, Gattungen, Nationalliteraturen und mehr. Daraus lassen sich Erkenntnisse über Wandel, aber eben auch der Konstanz von gewissen Richtungen Aussagen treffen, sowie feststellen, wann und wie kulturelle Austausche stattgefunden haben. Die vergleichende Literaturwissenschaft berücksichtigt dabei auch wieder andere Disziplinen und Medien, was sie noch einmal näher an uns intertextuelle Menschen heran rückt und die Grenzen einmal mehr verschwimmen lässt.

Wie unterscheidet sich nun also die Komparatistik von der Intertextualität. Konkret lässt sich sagen, dass die Intertextualität eine Richtung der Komparatistik ist. Darüber hinaus würde ich es so verstehen, dass Komparatistik sich weit mehr mit den Details eines gegebenen Textes beschäftigt (Formulierungen, Hintergründe, Struktur usw.) und diese gegenüberstellt, während sich die Intertextualität eher um strukturelle, gesellschaftliche, kulturelle etc. Belange kümmert, sie aufzeigt und in anderen Texten sucht. Wie das nun genau von statten geht, sehen wir im nächsten Artikel, wo ich aufgrund von Jenkins und Fiske Beispiele anbringe.

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  1. Pingback: Artikel im Januar | Christoph Staffl

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